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Wann ist Strom am günstigsten? Tagesmuster am Day-Ahead-Markt

Aktualisiert am 12. Juli 2026

Wer einen dynamischen Stromtarif nutzt, stellt schnell dieselbe Frage: Wann ist der Strom eigentlich am günstigsten? Am Day-Ahead-Markt der Strombörse folgt der Preis einem recht wiederkehrenden Tagesmuster, das sich vor allem aus dem Zusammenspiel von Solarstrom und Nachfrage ergibt. Dieser Artikel beschreibt die typischen Muster über den Tag, die Woche und das Jahr – und wie man den günstigsten Slot findet.

Das Tagesmuster: die “Duck Curve”

Das prägende Muster der letzten Jahre lässt sich als “Ente” beschreiben (englisch duck curve). Gemeint ist der Verlauf der Residuallast – also der Nachfrage abzüglich Wind- und Solareinspeisung – über den Tag. Sie fällt mittags stark ab (der “Bauch der Ente”), weil Photovoltaikanlagen dann maximal einspeisen, während der Verbrauch vergleichsweise moderat ist. Morgens und abends dagegen bleibt die Residuallast hoch (die “Flanken”).

Der Börsenpreis folgt dieser Kurve ziemlich direkt. Die FfE beschreibt das Muster für 2025 knapp: “Mittags sorgen hohe PV-Erträge für niedrige Preise, während die Preisspitzen am frühen Abend auftreten, wenn die Nachfrage noch hoch ist, das Angebot aus Erneuerbaren aber bereits zurückgeht”1. Vereinfacht ergibt sich damit:

TageszeitPreisniveau (typisch)Grund
Nacht (ca. 0–5 Uhr)niedriggeringe Nachfrage
Morgens (ca. 7–9 Uhr)hochNachfrage steigt, PV noch schwach
Mittag (ca. 11–15 Uhr)niedrig, teils negativmaximale PV-Einspeisung
Früher Abend (ca. 17–20 Uhr)am höchstenhohe Nachfrage, PV geht zurück
Später AbendfallendNachfrage sinkt wieder

Die günstigsten Fenster liegen also meist mittags und in der Nacht, die teuersten am frühen Abend. Genau deshalb kann ein dynamischer Tarif, dessen Arbeitspreis “sich mehrmals täglich ändern kann”2, für flexible Haushalte interessant sein.

Die Preisspanne wächst

Zwei Muster gleichzeitig prägen den Markt: Es gibt mehr sehr günstige und mehr sehr teure Stunden. Für 2025 zählte eine Auswertung 1.284 Stunden mit Preisen unter 30 €/MWh (nach 1.231 im Jahr 2024) und zugleich 162 Stunden mit Preisen über 200 €/MWh – ein Anstieg um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr3. Der niedrigste Wert 2025 lag bei −250,32 €/MWh, der höchste bei +583,40 €/MWh3. Die durchschnittliche Preisspanne innerhalb eines Tages betrug 2025 rund 130 €/MWh1.

Für die Praxis heißt das: Die Belohnung fürs Verschieben in günstige Stunden wird größer – aber auch die Strafe fürs Verbrauchen zur teuersten Zeit.

Wochenende versus Werktag

Am Wochenende und an Feiertagen ist die industrielle und gewerbliche Nachfrage niedriger. Trifft geringe Nachfrage auf viel Sonne oder Wind, entstehen besonders häufig sehr niedrige oder negative Preise. Deshalb liegen viele der günstigsten Mittagsfenster an sonnigen Wochenenden. Umgekehrt fallen die ausgeprägten Abend-Preisspitzen eher auf Werktage, wenn Feierabendnachfrage und wegfallende PV zusammenkommen.

Saisonale Muster

Über das Jahr verschieben sich die Muster deutlich:

Wie man den günstigsten Slot findet

Der Day-Ahead-Markt hat einen praktischen Vorteil: Die Stundenpreise für den Folgetag stehen bereits am Vortag gegen Mittag fest. Wer einen dynamischen Tarif hat, kann also planen. Konkret:

  1. Am Vortag die Preiskurve ansehen – über die App des Anbieters oder ein neutrales Börsenstrom-Dashboard. So sieht man die günstigen und teuren Stunden im Voraus.
  2. Verschiebbare Lasten in die Täler legen – Speicher laden, E-Auto laden, Wärmepumpe vorheizen, Wasch- und Spülmaschine per Zeitvorwahl in die Mittags- oder Nachtstunden legen.
  3. Automatisieren, wo möglich – ladeplanfähige Wallboxen, Speicher mit Preisoptimierung und Smart-Home-Steuerungen holen den Vorteil zuverlässiger ab als manuelles Umstecken.
  4. Die teuren Abendspitzen meiden – gerade der frühe Abend ist konsequent das teuerste Fenster; hier lohnt es sich am meisten, große Verbräuche zu verschieben.

Fazit

Die günstigsten Stunden liegen am Day-Ahead-Markt zuverlässig mittags (dank Photovoltaik) und nachts, die teuersten am frühen Abend. Wochenenden und der Sommer verstärken die Tiefpreise, Winterabende die Spitzen. Wer diese Muster kennt und flexible Lasten verschieben kann, nutzt einen dynamischen Tarif am besten aus. Wichtig bleibt aber die Einordnung: Der Börsenpreis ist nur ein Teil des Endpreises – Netzentgelte, Steuern und Umlagen fallen unabhängig von der Uhrzeit an.

Quellen

Footnotes

  1. FfE – German electricity prices on the EPEX Spot exchange in 2025 (Tagesmuster: Mittag niedrig/PV, früher Abend Spitzen; durchschnittliche Tagesspanne ~130 €/MWh): https://www.ffe.de/en/publications/german-electricity-prices-on-the-epex-spot-exchange-in-2025/ 2

  2. Bundesnetzagentur – Dynamische Stromtarife (Arbeitspreis ändert sich mehrmals täglich): https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/Energie/Vertragsarten/DynStromtarife/start.html

  3. pv magazine – Hoch- und Niedrigpreiszeiten nehmen 2025 zu (05.01.2026; 1.284 Stunden <30 €/MWh, 162 Stunden >200 €/MWh, Max +583,40 / Min −250,32 €/MWh, erste negative Monatsmittel mittags Juni 2025): https://www.pv-magazine.de/2026/01/05/hoch-und-niedrigpreiszeiten-nehmen-2025-zu/ 2 3